Hoffnung spenden – Buchpaket gewinnen

Das Bild dient nur zur Dekoration, alle Informationen stehen im Text der Webseite.

Beschreibung: Bild mit dem Text "Hoffnung spenden, Buchpaket gewinnen". Darunter der Hashtag #HoffnungSpenden. Das alles auf einem Sternenhimmelhintergrund. Am unteren Rand des Bildes liegen Bücher, jedes in einem andersfarbigen Einband, die zusammen die Farben eines sehr bunten Regenbogens ergeben. Auf den Büchern liegen zwei Christbaumkugeln.

Ich habe die Ehre, gemeinsam mit großartigen Autor*innen bei einer großartigen Verlosung mitzumachen:

Lasst uns hoffen! Spendenaktion und Gewinnspiel

Spendet für einen guten Zweck und gewinnt Bücherpakete!

2020 war und ist ein Jahr der schlechten Nachrichten. Sei es die anhaltende Bedrohung durch den Klimawandel, rassistische oder antisemitische Anschläge, Polizeigewalt, Unterdrückung von Marginalisierten überall auf der Welt oder eine unerwartete Pandemie, die jeden Winkel des öffentlichen und privaten Lebens beeinflusst, auch wenn manche Menschen es nicht wahrhaben wollen. Unschöne Schlagzeilen dominierten Mainstream und Social Media, und wir alle mussten auf Abstand voneinander gehen, obwohl wir das Zusammenrücken umso mehr gebraucht haben.

Die Bemühungen derer, die sich für eine gerechtere, vielfältige, letztendlich bessere Welt einsetzen, haben indessen nicht aufgehört. Coronakonforme Demonstrationen, Online-Aktivismus und andere Formen des Supports für Benachteiligte zeigen weiter, dass es genug Menschen gibt, deren Instinkt es selbst in Krisenzeiten ist, sich für andere einzusetzen und denen zu helfen, die stärker betroffen sind als sie selbst. Weil sie zuversichtlich sind, dass selbst kleine gute Taten eine große Wirkung haben können. Weil sie Hoffnung haben.

Bereits im letzten Jahr hat sich deshalb eine Gruppe von Autor*innen und Verleger*innen deutschsprachiger (vor allem Phantastik-)Literatur zusammengefunden, um zum Jahresende ein Zeichen für die Hoffnung zu setzen. Wir glauben, dass Geschichten die Welt positiv beeinflussen können – Utopien inspirieren ein achtsameres Miteinander, inklusive Sprache schafft Sichtbarkeit, progressive Ideen in der Fiktion können für echte Innovationen in der Realität sorgen. Und weil wir alle immer noch mehr tun können, um die Welt besser zu machen, gibt es auch 2020 unsere Aktion „Hoffnung spenden“.

Wir bieten euch die Chance, unsere Geschichten zu gewinnen – ihr müsst dafür nur etwas Gutes tun. Spendet einfach an eine der unten genannten Organisationen. Es ist egal, welche davon ihr auswählt und wie viel ihr spendet. Jede Summe hilft!

  • Medico – Hilfe für Moria unterstützt Geflüchtete an der europäischen Außengrenze auf Lesbos.
  • Mermaids unterstützt trans und nicht-binäre Kinder und Jugendliche in UK.
  • Amadeu Antonio setzt sich gegen Rechtsextremismus, Rassismus und Antisemitismus ein.
  • Lambda e. V. machen Arbeit mit LGBTQI-Jugendlichen und haben unter anderem eine Hotline, die junge Menschen vor dem Outing kontaktieren können.
  • SeaWatch e. V. rettet Menschen im Mittelmeer.
  • Ärzte ohne Grenzen bringen ärztliche Hilfe, Impfungen und Beratungen in die ganze Welt.
  • Medico – Hilfe für Rojava unterstützt das demokratische Projekt in Rojava von Beginn an – auch in Notsituationen wie jetzt.

Alle, die spenden, können an unserer Verlosung teilnehmen. Schickt dafür einen Nachweis (PDF, Screenshot, Spendenquittung, etc.) per Mail mit dem Betreff „Hoffnung spenden“ bis zum 12.12.2020 um 23:59 Uhr an hoffnung2020@queerwelten.de. Ihr könnt dabei gerne den Betrag unkenntlich machen, es kommt uns nicht auf die Höhe der Spende an. Damit kommt ihr in den Lostopf und könnt mit Glück etwas gewinnen!

Zu gewinnen gibt es Pakete mit Büchern und Magazinen verschiedener Autor*innen und Verlage. Vielen Dank an alle, die mit dabei sind! Im Einzelnen gibt es folgende Pakete zu gewinnen:

Am 13.12.2020 werden die Gewinner*innen ausgelost und benachrichtigt. Der*die Erstplatzierte darf aus allen Paketen auswählen, der*die Zweitplatzierte dann aus den restlichen Paketen, etc. Wenn ihr uns die Arbeit erleichtern wollt, könnt ihr schon in eurer Einsende-Mail eine Reihenfolge angeben, was ihr am liebsten haben wollt, ebenso wie Signierwünsche für die genannten Bücher. Auch eure Adresse könnt ihr, wenn ihr möchtet, schon nennen. Falls ihr gewinnt, brauchen wir sie natürlich auf jeden Fall. Die Daten werden ausschließlich für das Gewinnspiel verwendet und danach gelöscht.

Falls ihr einfach nur spenden und nicht am Gewinnspiel teilnehmen wollt, könnt ihr das auch gerne machen. Da wir gerne am Ende verkünden wollen, wie viel zusammengekommen ist, schickt dafür auch gern eine Mail an die oben genannte Adresse mit dem Betreff „Hoffnung spenden ohne Gewinnspiel“. Wie im letzten Jahr erhaltet ihr nach Ende der Aktion einen Link zu einer Umfrage, bei der ihr anonym mitteilen könnt, wie viel Geld wohin unterwegs ist. Vielen Dank an alle bereits jetzt an alle von euch, die mitmachen.

Wir sind uns bewusst, dass in diesem für viele Menschen finanziell schwierigen Jahr nicht alle, die etwas Gutes tun wollen, auch Geld für Spenden zur Verfügung haben. Aber: Ihr helft genauso mit, wenn ihr diese Aktion teilt und euren Freund*innen und Bekannten davon erzählt. Nutzt auf Social Media den Hashtag #HoffnungSpenden und macht darauf aufmerksam!

Lasst uns die dunkle Jahreszeit erneut ein bisschen heller machen und beweisen, dass wir auch voneinander entfernt zusammenrücken und die Welt gemeinsam ein kleines bisschen besser machen können. Lasst uns das Jahr mit einem Zeichen für das Gute beenden.

Lasst uns hoffen.

Diesen Text sowie die Teilnahmebedingungen etc. findet ihr auf folgender Seite: https://queerwelten.de/hoffnung-spenden-2020/ Bei Unstimmigkeiten ist der verlinkte Text der richtige.

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Familienbande

Inhaltsangaben/Content notes: Tiere (Wölfe), Wald

„… let them know it’s Christmas time …“
Na super. Er verzog das Gesicht und drehte die Lautstärke ein klein wenig herunter. Diese Gute-Laune-Weihnachtsmusik konnte er gerade eigentlich gar nicht gebrauchen, aber der Empfang in dieser Gegend war schlecht und er konnte sich glücklich schätzen, überhaupt von irgendwelchem Gedudel abgelenkt zu werden.
Die Straßenverhältnisse änderten sich, je höher er sein Auto den dunklen Berg hinaufquälte, und forderten seine Konzentration. Das lag allerdings nicht am Wetter, das mit klarer Luft, hellem Mondschein und Temperaturen aufwartete, die Glatteis unwahrscheinlich machten, sondern an der kurvigen Straßenführung. Die Gegend hier war dicht bewaldet und es gab nur vereinzelte kleine Dörfer – kein Wunder, dass die schmalen Straßen im Slalom um jeden größeren Baum herumführten. Hierher verirrte sich außer den Einheimischen vermutlich nie jemand – abgesehen von seinen Freunden natürlich.
Und wieder war er bei dem Thema angelangt, das ihm Sorgen bereitete und über das er während der Fahrt eigentlich nicht nachdenken wollte. Bald war er endlich da – hoffentlich kam er nicht zu spät!
Die Musik verstummte und machte dem Nachrichten-Jingle Platz. Erleichtert drehte er noch weiter auf und lauschte mit einem Ohr der Stimme der Nachrichtensprecherin, während er den Rest seiner Aufmerksamkeit auf den Ausschnitt der Straße lenkte, die seine Scheinwerfer erfassten. Mit mäßigem Interesse verfolgte er die Informationen über Politik, Weltgeschehen, neue Forschungen und Verkehrsinformationen aus dem Sendegebiet. Erst, als es um regionale Nachrichten ging, horchte er auf.
„Wie die Polizei auf Nachfrage des Senders bestätigte, lief eine Party in einem Waldgebiet heute Abend gründlich aus dem Ruder. Mitten im Naturschutzgebiet hatten sich gut zwei Dutzend Leute verlaufen, die von den Einsatzkräften eingesammelt wurden. Gerufen wurden sie übrigens von den verängstigten Partygästen selbst. Was meint ihr, wovor könnten sie sich so gefürchtet haben? Ruft an und erzählt uns eure Meinung – nach drei Hits geht’s weiter!“
Na toll – jetzt war es sogar schon in den Nachrichten. Er musste seine Freunde unbedingt da rausholen, bevor man auch sie entdeckte! Entschlossen schaltete er einen Gang runter und trat das Gaspedal weiter durch. Wo war nur der verdammte Wanderparkplatz? Hoffentlich war er noch nicht daran vorbeigefahren!
Drei Kurven später sprang plötzlich ein Tier vor seinen Wagen. Er schrak zusammen, versuchte, gleichzeitig auszuweichen und zu bremsen, eine Herausforderung, die ihm die Schweißperlen auf die Stirn trieb. Mit wild klopfendem Herzen kam er zum Stehen, genau an der Stelle, an der er soeben noch das Tier gesehen hatte. Wo war es hin? Er hatte es doch hoffentlich nicht erwischt?
Er atmete durch und drehte den Zündschlüssel. Das Radio erstarb und nur das Knacken des warmen Motors störte noch die Ruhe des nächtlichen Waldes. Vorsichtig öffnete er die Tür und stieg langsam aus.
Stille. Obwohl … Als er genauer hinhörte, vernahm er vereinzelte, leise Rufe – vermutlich die Suchmannschaften der Polizei, die sich seiner Position näherten. Als seine Augen sich an das Dunkel gewöhnten, sah er in einiger Entfernung auch die Strahlen von Taschenlampen durch den Wald zucken. Und ganz in seiner Nähe, nur wenige Meter vor ihm und fast direkt neben der Fahrbahn, reflektierten zwei Raubtieraugen das Standlicht seines Fahrzeugs.
Einen Moment lang flackerte instinktive Angst in ihm auf und er griff nach der Fahrzeugtür, die er wie einen Schild zwischen sich und das Tier brachte. Leises Rascheln ertönte, als sich ein zweites, dann ein drittes Augenpaar dazugesellte. Erst als sie zu dritt waren, traten die Wölfe aus ihrer Deckung und näherten sich mit leisem Winseln seinem Auto.
Erleichtert ließ er die Autotür los und ging in die Knie. „Ich hatte schon Angst, ich finde euch nicht rechtzeitig“, murmelte er lächelnd. „Mama und Papa hätten mir das nie verziehen!“ Fest schloss er seine Schwester und ihre beiden Freunde in die Arme, bevor er den Kofferraumdeckel öffnete und sie einsteigen ließ, um sie in Sicherheit zu bringen.

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Mythen

Inhaltsangaben/Content notes: Kaffee, Tiere (Wölfe)

„Meine Güte, Max, siehst du müde aus!“ Jenny schlug sich in der für sie so typisch theatralischen Geste die Hand vor den Mund und sah ihn mit großen Augen an.
Er bemühte sich um ein unverbindliches Lächeln. „Ich hab heute Nacht einfach nicht besonders gut geschlafen.“
„Na kein Wunder“, ertönte es von der Tür her. „Das wird heute vielen so gehen.“ Claudia betrat mit ihrer grellgrünen Shrek-Kaffeetasse den Pausenraum und stellte sich in die kurze Schlange vor dem Kaffeeautomaten.
„Warum das denn?“ Jenny sah ihre Kollegin mit weit aufgerissenen Augen an, was ihr Gesicht zur Karikatur einer Frage werden ließ. Max fragte sich bei solchen Gelegenheiten immer, wie man eine derartig übertriebene Mimik entwickeln konnte.
Auch Claudia wirkte irritiert. Max unterdrückte das Schmunzeln, das die so unterschiedlichen Gesichtsausdrücke seiner Kolleginnen in ihm hervorriefen, nahm seine Tasse und machte den Platz an der Kaffeemaschine frei.
„Na, heute Nacht war Vollmond“, erläuterte Claudia. „Da schlafen unglaublich viele Leute so richtig schlecht. Hört man doch überall.“
Nun bildeten sich Falten auf Jennys Stirn. „Wirklich? Warum sollte die Mondphase denn den Schlaf beeinflussen?“
Max gab nur langsam Milch in seine Tasse und rührte gründlich um, bevor er sich dem Zucker zuwandte. Dieses Schauspiel wollte er sich nicht entgehen lassen. Claudia war neu hier und kannte Jenny noch nicht, die mit ihrer übertriebenen Mimik und Gestik auf die meisten Leute sehr naiv wirkte. Wie man sich doch durch Äußerlichkeiten täuschen lassen konnte.
„Tja, wer weiß“, sagte die Neue gerade. „Die Menschheit versteht eben noch lange nicht alles.“
„Mondkalender“, wiederholte Jenny langsam und nickte nachdenklich. „Man kann also genau erklären und berechnen, wann wie viel Prozent der Mondoberfläche Sonnenlicht reflektieren, aber nicht sagen, warum das irgendwie anders sein soll als das Licht, das uns direkt erreicht?“
Claudia lächelte schmallippig. „Das ist seit Jahrhunderten bekannt. Und nur, weil man noch keine Erklärung dafür hat, heißt das nicht, dass es nicht stimmt.“ Mit einer knappen Bewegung ergriff sie ihre gefüllte Oger-Tasse, machte auf dem Absatz kehrt und ließ die beiden anderen stehen.
Jenny grinste, als die Tür zum Pausenraum zufiel. „Was haben wir uns denn da eingefangen“, sagte sie an Max gewandt, der gerade den benutzten Zuckerlöffel in die Spülmaschine gab.
Er zuckte beiläufig mit den Schultern. „Angeblich schlafen ja wirklich viele Menschen in Vollmondnächten nicht besonders gut.“
Jenny holte lautstark Luft, trat einen Schritt zurück und legte sich eine Hand auf die Brust. „Auch du, Brutus?“
Max nahm seine Tasse auf. „Na hör mal. Nicht jeder hat Rollläden oder Jalousien an den Schlafzimmerfenstern. Das helle Licht stört manche Leute echt beim Schlafen.“ Er zwinkerte Jenny zu, die auflachte und sich beide Hände übers Herz legte, um zu demonstrieren, wie knapp sie einem Schock entronnen war, und ging in sein Büro hinüber.
Erst dort erlaubte er sich ein breites Grinsen. Wenn Jenny wüsste, dass seine Spezies schon seit Menschengedenken dieses Gerücht vom schlechten Schlaf in Vollmondnächten streute! Und der Plan ging auf: Niemand wunderte sich, wenn Werwölfe sich am folgenden Tag müde wieder unter die Menschen mischten.

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Entweder oder

Inhaltsangaben/Content notes: Tiere (Fische, Wölfe)

Schon nach einem einzigen sanften Klopfen an die Scheibe kam er hinter dem dekorativen Schlösschen hervor und schwamm auf sie zu. Freude lag in seinen Bewegungen, das erkannte sie ganz deutlich. Er wollte mit ihr spielen, so, wie sie es seit Jahren taten.
Tränen stiegen in ihre Augen, obwohl sie tapfer lächelte. Sie tauchte ihre Hand ins warme Wasser, erlaubte Skala, wie sie den Skalar höchst unkreativ genannt hatte, in ihre Hand zu schwimmen und sich an ihren Fingern zu reiben. Er tat das nicht nur wegen des Futters, das wusste sie. Sie und der Fisch waren Freunde, seit er bei ihr ins Aquarium eingezogen war. Und nun musste sie ihn fortgeben.
Wieder wurden ihre Augen feucht, als ihre Fingerspitzen ein letztes Mal Skalas glatte Haut streiften. Er war nicht einfach nur irgendein Fisch – er war etwas ganz Besonderes. So, wie andere Leute ihr Herz an einen Wellensittich oder eine Hauskatze verloren, so liebte sie dieses zutrauliche Tier. Nicht, dass sie die Entscheidung, ihn fortzugeben, bereute, aber das minderte ihre Trauer nicht.
Behutsam schob sie die Klarsichtbox, in der sie Skala in sein neues Zuhause bringen würde, unter ihren Liebling, verscheuchte ein paar neugierige Guppys und hob den Behälter an. Skala war sichtlich irritiert, verhielt sich aber ruhig.
„Du wirst mir fehlen, mein Freund“, sagte sie leise. Dann setzte sie den Deckel auf und stellte die Dose in die Styroporbox, die ihr Freund für sie bereithielt.
„Es tut mir leid.“ Ehrliches Bedauern lag in seinem Blick. Er hatte ihre Beziehung zu diesem Fisch nie verstanden, aber akzeptiert. „Ich hätte es gerne mit einem stabileren Aquariendeckel oder so versucht.“
„Nein.“ Sie atmete tief durch, verschloss die Box und schenkte ihm ein Lächeln. „Wenn du ihn fressen würdest, könnte ich dir das nie verzeihen. Bei Jana ist er sicher und es wird ihm gut gehen. Ich kann ihn ja sogar besuchen!“ Mit einem Kuss unterband sie jeden Widerspruch. Sie hatte sich entschieden: Sie liebte ihren Fisch zwar, doch ihren Werwolf liebte sie noch mehr. Und wenn der eine nun bei ihr einzog, musste der andere leider gehen. Zu seiner eigenen Sicherheit in Vollmondnächten.

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Schwesterliebe

Inhaltsangaben/Content Note: Kinder, Pubertät, Tiere (Kaninchen, Wölfe)

„Mamaaaaaaaaaa!“
Der verzweifelte Schrei ihrer Jüngsten veranlasste Angelika, den Gartenschlauch fallenzulassen und ihr mit offenen Armen entgegenzulaufen. Was auch immer passiert war, zuallererst wollte sie Svenja Trost und Sicherheit bieten, bevor sie herausfand, warum sie so schluchzte. Doch sie musste gar nicht lange warten.
„Flecki ist weg!“
Oh nein. Angelika wusste genau, wie sehr Svenja an dem Kaninchen der Nachbarn hing. Das freundliche Ehepaar hatte, als sie die Trauer des Mädchens um den abgegebenen Familienhund bemerkten, still und heimlich ihren alten Kaninchenstall wieder auf Vordermann gebracht und Svenja gebeten, ihr bei der Auswahl neuer Haustiere zu helfen. Zwei wunderhübsche, schwarz-weiß gefleckte Zwergkaninchen waren es geworden. Svenja hatte ihnen sogar Namen geben dürfen: Flecki und Kuschel. Natürlich ersetzten die beiden Tiere Bodo, den wundervollen Dalmatiner, den sie sechs Jahre lang besessen hatten, nicht. Doch die halfen der ganzen Familie dabei, den Verlust zu verschmerzen.
„Was ist denn passiert?“, erkundigte sie sich.
Svenja zog die Nase hoch, wischte sich mit dem Handrücken über die Augen und erklärte mit erstickter Stimme: „Ich wollte sie ins Freigehege setzen. Kuschel hat sich ganz brav tragen lassen, aber Flecki hat ein bisschen gezappelt und dann bin ich gestolpert und sie ist runtergefallen und erschrocken und …“ Wieder ein Schluchzen. „Mama, sie verhungert doch, wenn sie ganz allein ist!“
Was konnte sie dazu nur sagen? Ein wenig hilflos zog Angelika ihre Tochter erneut in ihre Arme. „Vielleicht findet sie ja wieder heim“, sagte sie und bemühte sich, die Unsicherheit in ihrer Stimme zu verbergen.

Zwei Stunden später hatten sie, ihr Mann Wolfgang, die beiden Nachbarn Bernhard und Simone, ihre Jüngste und ihr Ältester erfolglos die gesamte Umgebung nach Flecki abgesucht. Das Kaninchen hatte sich wohl relativ schnell über die angrenzenden Felder in Richtung der Weinberge davongemacht – ausgerechnet dorthin, wo zu dieser Jahreszeit zahlreiche Greifvogeleltern nach unvorsichtigen Nagetieren suchten, die sie an ihre Jungen verfüttern konnten. Und durch ihre weiße Färbung war Flecki wirklich schwer zu übersehen.
Sie machte sich Sorgen um das kleine Tier. Es war Zuneigung und Fürsorge gewohnt – sicherlich hatte es Angst, so allein da draußen. Und könnte es überhaupt überleben?
Seufzend ließ sie sich auf einen Stuhl am Küchentisch sinken und barg das Gesicht in den Händen. Was konnte sie nur tun?
„Ähm … Alles klar?“
Überrascht hob Angelika den Kopf und sah ihre ältere Tochter an. Es war ungewöhnlich, dass Laura sich nach ihrem Befinden erkundigte: In den letzten Wochen lebte die junge Frau fast ausschließlich in ihrem Zimmer und kommunizierte vorwiegend über Streits mit ihrer Familie.
„Flecki ist weggelaufen“, erklärte sie. „Das Kaninchen der Nachbarn“, schob sie sicherheitshalber hinterher.
„Ich weiß, wer Flecki ist!“, brauste Laura auf. Doch so schnell, wie ihr Ärger hochkochte, kühlte er auch wieder ab. „Habt ihr sie schon gesucht?“
„Stundenlang“, antwortete ihre Mutter bedrückt. „Da ist wohl nichts zu machen.“
Laura runzelte ihre Stirn. „Warum habt ihr nichts gesagt? Ich hätte geholfen.“
Angelika zögerte. Ihre Antwort würde ganz sicher wieder einen Wutausbruch hervorrufen. Ihre Tochter litt gerade stark unter all den Veränderungen, die die Pubertät mit sich brachte, und hatte daher eine ausgesprochen kurze Zündschnur. Wie konnte sie es formulieren, damit sie sich nicht allzu sehr ärgerte?
Doch ihr Zögern hatte schon zu lange gedauert. Laura stieß verärgert die Luft aus. „Svenja wollte nicht, richtig?“
Mit einem schicksalsergebenen Seufzen lehnte Angelika sich in ihrem Stuhl zurück. „Du kannst es ihr nicht wirklich übelnehmen. Sie ist immer noch traurig, dass wir Bodo abgeben mussten.“
„Aber ich kann doch da nichts dafür!“, schrie Laura und stampfte mit dem Fuß auf den Boden. „Ich hab mir den Scheiß doch nicht ausgesucht!“ Mit einer wütenden Bewegung wischte sie die Tränen weg, die ihr übers Gesicht liefen. „Dass der blöde Hund so eine Angst vor mir hat, ist nicht meine Schuld. Ich will das doch auch nicht.“ Wieder wurden ihre Wangen nass.
Oh, wie sehr wünschte Angelika sich, ihre Tochter trösten zu können. Leise stand sie auf und legte ihr eine Hand auf die Schulter. Ein Trostangebot, da sie nicht wusste, ob Laura gerade in der Stimmung für Körperkontakt war oder nicht. Doch anstatt sie fortzuschieben oder sich in die Arme nehmen zu lassen, hob die Fünfzehnjährige auf einmal den Kopf und sah ihre Mutter mit hoffnungsvollem Blick an.
„Mama … ich kann Flecki bestimmt finden!“
Angelika war irritiert. Dann begriff sie. „Das geht nicht, Schatz. Wenn dich jemand sieht –“
„Ihr müsst doch nur die Nachbarn ablenken!“ Laura war Feuer und Flamme für ihre Idee. „Ich pass schon auf, es wird doch bald dunkel! Ich muss nur an den Kaninchenstall, damit ich ihre Fährte aufnehmen kann!“
Angelika zögerte. „Und wenn du sie findest …?“
Stolz hob Laura das Kinn. „Ich werd sie nicht fressen oder so! Ich werd sie ganz vorsichtig hertragen! Ich geh meine Klamotten ins Zimmer bringen – bin gleich wieder da!“ Damit stürmte sie aus der Tür.
Nachdenklich sah Angelika ihrer Tochter nach. Dann lächelte sie. Vielleicht war das endlich das Ereignis, das Laura so dringend brauchte, um sich mit ihrem Werwolfdasein anzufreunden. Und möglicherweise versöhnte dieser Akt schwesterlicher Hilfe ja sogar Svenja.

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Ein Kurzgeschichten-Adventskalender

Gott und die Welt erstellt gerade Adventskalender. Für meine Familie habe ich dasselbe getan: Ich habe 24 Kurzgeschichten ausgesucht, die alle in der Welt der Mondscheinserenade spielen, sie ausgedruckt und verteilt.

Aber vielleicht möchtet auch ihr die Geschichten lesen und die zahlreichen Alltagsprobleme und -lösungen kennenlernen, die Werwölfe in unserer Welt begegnen? Dann seid ihr hier genau richtig: Täglich um 6 Uhr morgens, und das den ganzen Dezember über, werde ich die Kurzgeschichte des Tages als Blogeintrag veröffentlichen. Eine Art Silvesterkalender also. Wenn ihr mitlesen wollt, habt ihr es am einfachsten, wenn ihr das Blog per Email abonniert, das geht rechts in der Seitenleiste.

Ich wünsche euch eine wundervolle Adventszeit, wenig Stress und einen möglichst entspannten Ausklang dieses ach so ungewöhnlichen Jahres 2020.

Hier geht’s zum ersten Beitrag

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Eine Weihnachtstragetasche für das verloste Buch

Wie ihr ja hoffentlich gelesen habt, findet gerade eine große Spendensammelaktion mit Verlosung statt. Auch ich möchte zum Mitspenden animieren und habe daher ein Exemplar von „BER darf nicht sterben“ mit in den Lostopf geworfen.

Damit das Buch nicht nackt auf Reisen gehen muss, sobald mir die Empfängeradresse von den Verlosenden genannt wird, habe ich heute aus Weihnachtsstoff eine kleine Tüte genäht. Sie wird zusammen mit dem Buch verschenkt. Na, ist das nicht ein Grund, auch was zu spenden? 😉

Auf einer Schneidunterlage mit Zentimetereinteilung liegen die zu gewinnende Kurzgeschichtensammlung "BER darf nicht sterben" und eine in passender Größe genähte Tragetasche aus Stoff, auf dem in weihnachtlichen Farben "Frohes Fest" auf Deutsch, Englisch und Französisch steht. Im Hintergrund sind Nähutensilien verteilt (ein Rollschneider, Stoff, ein Stoffmarkierstift und ein Lineal).
Hier seht ihr meinen Näharbeitsplatz mit der fertigen Tüte und natürlich dem Buch
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Das Grundgerüst steht!

Mein Kopf arbeitet ja fleißig an der Geschichte für die Rhein-Neckar-Fantasy-Anthologie. Endlich habe ich das Grundgerüst für meine Geschichte geplottet!

Da das Werwolfrudel meines entstehenden Romans „Mondscheinserenade“ ja zum größten Teil in der Rhein-Neckar-Region spielt, habe ich mich entschlossen, die Gelegenheit zu nutzen, euch diese Welt auch in der Kurzgeschichte näherzubringen. Man hat es als Werwolf ja nicht allzu leicht, wenn man unter Menschen lebt, und ich habe unglaublichen Spaß daran, euch diese (mehr oder minder Alltags-)Probleme aufzuzeigen. In meinem Beitrag zur Fantasy-Anthologie soll es mal wieder genau darum gehen.

Inspiriert hat mich ein Pressebericht des NABU aus dem Jahr 2017: https://hessen.nabu.de/news/2017/23066.html

Wie mag es den Werwölfen damals ergangen sein? Sie dürften sich ganz schöne Sorgen gemacht haben, als bekannt wurde, dass im Odenwald ein Wolf gesichtet wurde. Wie gingen sie wohl damit um?

Wenn ich euch jetzt neugierig gemacht habe, freut mich das! Die Antwort auf diese Frage gibt’s dann nämlich in der Anthologie 🙂

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Stichwort-Kurzgeschichten

Kennt ihr Geschichten, die nach Stichwörtern geschrieben wurden? Das funktioniert folgendermaßen: Man bekommt ein Prompt, also ein einzelnes Wort, einen gängigen Ausdruck, ein Bild, etwas in dieser Art, und wird aufgefordert, dazu eine Geschichte zu schreiben. Bei Belletristica gibt es einige Gruppen, die sich genau damit beschäftigen: Sie vergeben in regelmäßigen Abständen Stichwörter, um die Fantasie der Teilnehmenden anzuregen. Die Ergebnisse werden in Linksammlungen festgehalten und ich kann euch nur empfehlen, die mal anzuschauen. Es ist faszinierend, wie viele vollkommen verschiedene Geschichten zu ein und demselben Prompt entstehen!

Meine Gruppe „Fingerübungen“ hat im Jahr 2019 ganze 56 Stichworte und die dazu passenden Geschichten veröffentlicht. Schaut mal rein:
https://belletristica.com/de/books/16734-fingerubungen-linksammlung-2019/

Auch im Jahr 2020 schreibt die Gruppe „Fingerübungen“ fleißig weiter. Hier könnt ihr den aktuellen Stand sehen:
https://belletristica.com/de/books/20544-fingerubungen-linksammlung-2020/

Eine Gruppe, die ganz großartige Geschichten hervorbringt, ist die „SiXTY-MiNUTES“-Gruppe auf Belletristica. Auch hier kann ich ein bisschen Schmökern nur empfehlen:
https://belletristica.com/de/books/16378-sixty-minutes-l-ks-mm-g-2019/
https://belletristica.com/de/books/20021-sixty-minutes-l-ks-mm-g-2020/

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Anthologien

Eine Anthologie oder Blütenlese (griechisch ἀνθολογία anthología, deutsch ‚Sammlung von Blumen‘ […]), ist eine Sammlung ausgewählter Texte oder Textauszüge in Buchform […].

https://de.wikipedia.org/wiki/Anthologie

Viele Verlage geben in mehr oder minder regelmäßigen Abständen Anthologien heraus. In der Regel wird hierfür ein Thema vorgegeben und eine Ausschreibung veröffentlicht, in der Autor*innen eingeladen werden, Texte einzureichen. Aus den eingesandten Werken wird dann eine Auswahl getroffen und diese dann als Anthologie veröffentlicht.

Ich liebe Anthologien. Ein bisschen sind sie wie die Kurzgeschichten-Challenges auf Belletristica: Es gibt ein Thema und so viele fantastische, kreative Ideen von so vielen großartigen Leuten – und das alles in einem Buch. Seit ich schreibe habe ich davon geträumt, mal in solch einer Anthologie auch meine Kurzgeschichten veröffentlichen zu dürfen. Ich halte daher immer Ausschau nach neuen Ausschreibungen und reiche auch ab und an mal eine Geschichte ein. Und zu meiner großen Freude schaffen es einige meiner Geschichten in die finale Auswahl!

Meine allererste Einreichung war gleich ein Erfolg: Die Anthologie „BER darf nicht sterben„, Kriminalkurzgeschichten rund um den Berliner Hauptstadtflughafen, enthält meine Geschichte gleich ganz zu Beginn.

Gemeinsam mit anderen Autor*innen aus der Rhein-Neckar-Region entsteht aktuell eine Anthologie von Fantasygeschichten in dieser Region. Den Fortschritt könnt ihr hier nachlesen!

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